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  • Annette

Beten, Teil 4, Das lebendige Gespräch mit der Quelle


Die Anbindung an die eigene Quelle, den eigenen Ursprung oder unsere Seelenheimat ist das Wichtigste im Leben. Daraus kann man alles schöpfen: Kraft, Inspiration, Friedfertigkeit, Vertrauen, Liebe und Freude. Diese Quelle ist unerschöpflich und für alle dieselbe.


Unglücklicherweise fühlen sehr viele von uns sich davon getrennt. Schicksalsschläge, schlechte Erfahrungen im Leben, Verzweiflung, Leid … all das lässt uns zweifeln daran, dass es eine höhere Ordnung gibt und dass dieser Ordnung grundsätzlich Wohlwollen, absolute Gerechtigkeit und Fülle zugrundeliegen. Wir glauben nicht mehr daran, dass alles selbstverständlich zu uns fließt. Und warum? Weil wir nicht darin unterwiesen wurden, wie man mit dem Leben, das uns geschenkt wurde, umgeht.


Die Betriebsanleitung finden für das geschenkte Leben

Überall studieren wir Betriebsanleitungen. Wir sind bereit, Stunden zu investieren für die Einrichtung unseres neuen Smartphones und würden es ohne Anleitung oder Bedienhilfen nicht können. Für jeden Beruf braucht man eine Ausbildung. Sie dauert meistens Jahre. Aber ausgerechnet im größten Feld – dem Leben an sich – gibt es keine Ausbildung. Wir werden in ein Spiel geschickt mit unbekannten Regeln und wundern uns, wenn wir es nicht verstehen. Wenn wir nicht glücklich werden und uns eine blutige Nase holen. Es fehlt uns schlichtweg die Betriebsanleitung für diese Schöpfung, deren Teil wir sind.


Daher ist das Wissen darum so kostbar. Glücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der das alte Wissen zurückkommt. Das Wissen ist der Schlüssel zu neuen Erfahrungen. Und diese neuen Erfahrungen wiederum sind der Schlüssel zur Heilung unseres Herzens und zu neuen Erleben. Mein Leben änderte sich schlagartig in dem Moment, als ich das erste Mal in meinem Leben direkt zu meiner Quelle sprach. Es geschah aus purer Verzweiflung, denn mir war klar, dass ich selbst das Geschehen nicht ändern konnte. Es mußte also ” Superman” her. Ich gab Gott – oder dem, was ich dafür hielt – einfach eine Chance. ”Lieber Gott, wenn es Dich gibt, so kann es nicht weitergehen. Hilf bitte!”


All mein Schmerz brach sich Bann in dem Moment und es hatte etwas so Erleichterndes! Ich spürte sofort einen Halt und Trost, den ich mir nicht erklären konnte – ich hatte keine Erscheinungen und hörte auch keine Worte. Es war einfach unglaublich tröstlich, dass alles loszuwerden. Und was soll ich sagen: am nächsten Morgen war alles anders. Ein Wunder war geschehen für mich. Es war sooo offensichtlich, dass ich unumstösslich von diesem Moment an wußte, dass es etwas gibt, mit dem ich direkt sprechen kann und dass es gut mit mir meint. Die Erfahrung wurde der Beginn meines bis jetzt anhaltenden Weges des Erwachens aus einem Traum.


Erwachen bringt Farbe ins Leben


Wieviel Farben das Leben hat und wie leuchtend und lichterfüllt es sein kann, weiß ich erst seitdem. Und dabei lief in meinem Leben eigentlich alles gut. Ich hatte keinen Grund, zu klagen, war erfolgreich und hatte keine äußeren großen Sorgen. Und trotzdem: es ist so, als ob man von einem Polaroid der ersten Generation auf Super HD Fernsehen wechselt. Der Schleier des Unbewusstsen ist wie ein Nebel über allem, der es grau, eng und fad erscheinen lässt. Eine gnädige Narkose macht, dass wir es nicht merken, bis wir aufwachen. Mit dem Erwachen kommt eine Einsicht in andere Bereiche von Realität. So ähnlich, wie sich die Perspektive immer weiter vergrößert, je höher man auf den Berg steigt. Die Übersicht nimmt zu und damit die Orientierung. Und das macht Freude und gibt Halt.


Aber nicht nur unser Geist freut sich daran. Auch unsere Seele ist glücklich. Was treibt die Kletterer überall auf die Gipfel? Was ist die Anziehung eines Mount Kailash? Es ist so stark, dass viele ihr Leben riskieren und auch verlieren. Ich behaupte, es ist dieselbe Kraft, die uns nicht ruhen lässt, bis wir bewusst wieder dahin gekommen sind, wo wir herkommen. Bis wir wieder Anschluß an die Quelle gefunden haben. Die Weisen sagen, dass das Leben erst dann wirklich beginnt. Ich kann nur bestätigen, dass jeder Schritt in diese Richtung lohnt.


Yoga ist der Weg zurück zur Quelle.


In allen Kulturen hat es Weise gegeben, die den Weg zurück gefunden und für andere dokumentiert haben, sodass sie folgen konnten. Jesus war einer von ihnen, Buddha, aber auch Mohammed und viele, viele andere. Die Worte der Erleuchteten waren so kraftvoll, dass sie viele Menschen auf den Weg brachten und daraus entwickelten sich dann Religionen. Aber im Ursprung beschreiben die Weisen nichts anderes als Wege zur Quelle zurück, aus der Perspektive des Gipfels mit dem entsprechenden Überblick. Es sind Techniken, die in ihrer ursprünglichen Klarheit und Reinheit und damit Kraft besonders gut in der vedischen Kultur des Indiens überlebt haben.


Sie wurden auf Palmblätter für die Ewigkeit festgehalten und kommen nun nach und nach wieder zum Vorschein, sodaß wir sie studieren und den Anweisungen folgen können. Sri Kaleshwar hat unglaubliche Techniken gelehrt aus diesen Palmblattmanuskripten und seine Studenten so auf den Weg gebracht, der immer noch weiter zu gehen ist. Das, was wir gemeinhin unter Yoga verstehen – Asanas, körperliche Übungen – sind ein Bestandteil des Yoga. Sie sollen dazu dienen, den Körper aufnahmefähig zu machen und das seelische Wachsen erleichtern. In seinem Kern aber ist Yoga ein Weg, bei dem es um Transformation des Bewusstseins geht und der die bewusste Vereinigung mit der Quelle anstrebt.


Den Kontakt zur Quelle halten


Mein erstes Erlebnis des Erwachens hat mir so gut getan, dass ich von da ab beschloss, mich täglich mit der Quelle zu unterhalten. Dies war mein Beten. Und tatsächlich, ich erlebte, dass man mit der Quelle eine lebendige und absolut beglückende Beziehung führen kann, in der es Aktion und Re-Aktion gibt. Die Quelle benutzt dabei die Schöpfung als Sprachrohr. Sie ist ja die Matrix, die allem zugrunde liegt. So erleichtere ich täglich mein Herz in einer Art Beichte, in der ich mir eingestehe, was mir wehtut, woran ich zweifle, was mir Sorgen macht, aber auch danke für das Schöne. Es macht mein Herz leicht und nimmt die Last der Sorgen im Nu und ich weiß, dass eine Lösung kommt. Ich muss nur offen sein für Veränderung und bereit, immer wieder meine Überzeugungen los und mich führen zu lassen.


So einfach ist es im Grunde. Mehr und mehr versuche ich, auch im Moment im Dialog zu sein und dabei Handelnde und Empfangene, sowie Beobachter zugleich zu sein. Das Geschehen als Sprache, als Antwort der Quelle zu sehen, bringt Tiefe in mein Leben und gibt mir die Chance, zu erkennen. Mit der Erkenntnis wandelt sich das Bewusstsein und damit wiederum erschaffe ich neue Realität, verändere mein Leben. Es gibt nichts Spannenderes und Erfüllenderes als das. Beten kann ein Tor sein zum Weg des Erwachens.


Ich wünsche Ihnen allen, dass auch Sie diese spannende und erfüllende Seins-Art entdecken!


Herzlichst


Ihre Annette

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